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Sturmschäden durch Bäume in Nachbars Garten. Wer haftet dafür?

Nicht immer, wenn ein Baum auf ein Gebäude stürzt oder ein Sturm einen Schaden verursacht, kann Schadensersatz verlangt werden.

Grundsätzlich muss zwar immer derjenige für Schäden aufkommen, der sie verursacht hat und verantwortlich ist. Dazu reicht aber die bloße Eigentümerstellung grundsätzlich nicht aus. Den Eigentümer trifft im Allgemeinen nur dann eine (Mit)Schuld, wenn er die Schäden durch sein Verhalten erst ermöglicht hat oder durch pflichtwidriges Unterlassen (z. B. Verletzung einer Verkehrssicherungspflicht) herbeigeführt hat.

Die Verkehrssicherungspflicht verlangt, dass der Eigentümer die Bäume auf seinem Grundstück in angemessenen Zeitabständen auf Krankheit und Überalterung überprüfen muss. Grundsätzlich genügt dabei eine äußere Zustands- und Gesundheitsprüfung. Sie kann vom Boden erfolgen, ohne dass Leitern oder Hubbühnen verwendet werden müssen. Nur wenn der Baum Defekte oder äußerlich erkennbare Krankheiten zeigt, muss er durch Fachleute weitergehend untersucht werden. Wird dann nichts unternommen, wird also der Baum nicht gefällt oder zumindest die kranken Äste entfernt, liegt grundsätzlich ein Verstoß gegen die Verkehrssicherungspflicht vor. Dies gilt insbesondere, wenn der Baum bereits erkennbar durch vorherige Witterungseinflüsse – wie Sturm oder Blitzschlag – geschädigt ist.

  • Achten Sie deshalb auf die Bäume Ihres Nachbarn. Sind sie schlecht gepflanzt?
  • Sind sie windschief?
  • Verlieren sie bei Sturm einzelne Äste?
  • Können Sie am Stamm Anzeichen von Rotfäule oder ähnlichen Krankheiten erkennen?

Sie müssen nicht warten, bis der Schaden eintritt, sondern Sie können Ihren Nachbarn direkt auffordern, seine Bäume zur Gefahrenabwehr zu fällen. Wenn ein Baum erkennbar krank oder schlecht gepflanzt ist und trotzdem nicht entfernt wird, muss Ihr Nachbar im Allgemeinen für einen zukünftigen Sturmschaden aufkommen.

Ist der Baum von einer örtlichen Baumschutzsatzung geschützt, muss vor dem Fällen des Baumes eine Genehmigung bei der Gemeindeverwaltung beantragt werden. Zuständig ist hierfür in den meisten Fällen das Friedhofs- und Gartenamt. Zwar kann man nach § 1004 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) nicht verlangen, dass gesunde Bäume entfernt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit einem Urteil von 1993 eine entsprechende Klage abgewiesen. Der BGH argumentierte folgendermaßen: Widerstandsfähige Bäume anzupflanzen und wachsen zu lassen begründet alleine noch keine Gefahrenlage. Verantwortlich im Rahmen des § 1004 BGB kann der Grundstückseigentümer erst dann sein, wenn seine Bäume krank oder überaltert sind und deshalb ihre Widerstandskraft eingebüßt haben. Solange Bäume aber nicht in ihrer Standfestigkeit beeinträchtigt sind, stellen Sie keine ernsthafte Gefahr dar, die einer Beeinträchtigung im Sinne des § 1004 BGB entspricht.