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Generelle Überlegungen für den Baumschnitt

Vorbedingung eines guten fachgerechten und erfolgreichen Baumschnittes sind gute Kenntnisse der psychologischen und biologischen Voraussetzungen des Baumschnittes.
Beim Baumschnitt muß man auf viele Faktoren Rücksicht nehmen, um dem Baum so wenig wie möglich zu schaden. Bei jedem Schnitt wird das Verhältnis Masse zu Energie des Baumes verändert. Sobald die dynamische Masse des Baumes (Blätter und Teile mit lebenden Zellen) durch den Schnitt so verringert worden ist, daß sie die statische Masse (Holz ohne lebende Zellen) des Baumes nicht mehr mit Energie versorgen kann, kommt es zum Tod des Baumes. Darum darf man an älteren Bäumen auch nicht soviel herumschneiden wie an jüngeren . Der junge Baum besteht fast ganz aus dynamischer Masse fast alle oberirdischen Teile von ihm können an der Energiegewinnung (Photosynthese) teilnehmen. Mit zunehmendem Alter, d. h., mit der Zunahme der statischen Masse sowie des Energieaufwands für die Fortpflanzung usw., wird das einst ausgeglichene Verhältnis immer ungleicher, die dynamische Masse nimmt ab. Deshalb kann es für den Schnitt alter Bäume kein allgemein gültigen Regeln geben. Jeder Baum ist ein anderes Individuum mit eigenen Ansprüchen.

Große Bäume zu kappen, den Leittrieb und Starkäste ganz zurückzunehmen, ist Baumfrevel, zumal er meist auch an den Internodien durchgeführt wird. Dadurch wird der gesamte Restbaum in Gefahr gebracht, Wurzeln werden abgeworfen und die Standsicherheit wird gefährdet.

Da die Baumkrone mit ihren Blättern Produktionsstätte des gesamten Baumes und die Quelle aller Wohlfahrtswirkungen für den Menschen ist, sollte man nur nach eingehenden Überlegung Bäume schneiden. Je mehr und je öfter unüberlegt geschnitten wird desto mehr Wunden entstehen, die den Tausenden von Bakterien und Pilzen Einlaß gewähren.


Stummelschnitt

Die Verstümmelung, welche vorsieht Platanen und andere Bäume bis auf den Stamm zurückzusetzen und zu verstümmeln, schadet den Bäumen ungemein. Im Baum bilden die Blätter die Fabrikatsorgane, welche die Produkte Kohlenhydrate, Zucker, Stärke, Holz, Sauerstoff, Kühlung usw. hervorbringen. Schneidet man diese zurück,schadet man dem Baum ungemein. So Können die Wurzeln der Bäume nicht mehr ausreichend mit Assimilaten versorgt werden und sterben ab. Dies hat zur Folge, daß die Bäume noch weniger Wasser und Nährstoffe aufnehmen können und so ihre Substanz stark geschwächt wird. Die Bäume werden aber auch in ihrem oberirdischen Aufbau stark beeinträchtigt. Die Schnittstellen ermöglichen Pilzen und Bakterien Einlaß, diese bringen das Holz zum Faulen und beeinträchtigen somit das Standvermögen des Baumes. Bis sich aus den Stammresten nach Jahrzehnten wieder eine ordentliche Krone gebildet hat entfallen außerdem wichtige Eigenschaften des Baumes: Luftkühlung, Luftreinigung, Kohlendioxidverzehr, und Sauerstoffabgabe.


Auslichtungsschnitt

Müssen große Astpartien zum Reduzieren des Schattens entfernt werden, dann soll ein Auslichtungsscnitt durchgeführt werden. Er besteht darin, daß ein Ast, jeweils ganz bis zur Basis am nächst stärkeren Ast zurückgenommen wird. Dabei schließen sich die Wunden schneller und besser; es entfällt auch das Entstehen von dichten Astquirlen. Bei einer Auftragserteilung sollte man sich unbedingt einen Nachweis über die Qualifizierung des Anbieters zeigen lassen, um nicht um sein Geld gebracht zu werden. Außerdem ist der Nachweis einer Haftungsversicherung wichtig, denn leider darf sich zur Zeit noch jeder Baumwart nennen, der eine Axt oder Säge besitzt. Die Durchführung des Schnittes erfolgt in Etappen. Etwa 30cm vor der Schnittstelle wird der zu entfernende Ast eingeschnitten, bis die Säge klemmt. Jetzt erfolgt nicht daneben, aber auswärts des ersten Schnittes der nächste Schnitt von Oben. Bei einem einzigen Schnitt von Oben würde das Gewicht des Astes große Stücke aus der Rinde des Baumes reissen und den Baum schwer verletzen. Der nach dem 2. Schnitt stehengebliebene "Hutfänger darf nicht stehenbleiben, da er Eingang für Pilze und Fäulnis ist. Sämtliche Schnittränder müssen mit der Hippe glatt geschnitten werden .Denn nur so kann eine Schnelle Kallusbildung erfolgen.


Das Schneiden von Ästen

Das Schneiden von Ästen gehört zu den alltäglichen Aufgaben eines Baumpflegers. Und dennoch sind nach SHIGO falsch geschnittene Äste die Hauptquelle für spätere Ausfaulungen. Oberstes Gesetz sollte sein, vorausschauend und so früh wie möglich zu schneiden.
Nicht die Menge des Schnittgutes ist entscheidend für einen gute Schnitt, es setzt eher eine gute Kenntnis des Baumes in all seinen Bereichen und Lebenslagen voraus. Es erfordert ein reichliches Maß an Überlegungen: Was entfernen, wieviel, wann, wie, wie oft, in welcher Form usw.

 
Stammparalleler Schnitt ( flush cut ) - Schnitt auf Astring

Äste sind am Baum befestigt, indem sich zuerst ein Astkragen bildet, der später vom Stammkragen überwachsen wird. Fäulnisverursachende Mikroorganismen verbreiten sich meist nicht über diese in das Holz des Stammes hinein. Tote Zweige werden an dieser Stelle abgestoßen ( Sollbruchstelle ). Wird der Kragen beim Beschneiden verletzt, können die Schädlinge ungehindert eintreten und ihren Schaden anrichten, da die Zone dieser Kragen antimikrobielle Substanzen enthält.
Bereits im Jahre 1756 schrieb BÜCHTIMG, und später 1878 HARTIG, daß diese Kragen besonders der Astkragen, nicht entfernt werden dürfen. SHIGO vertritt in seinen Veröffentlichungen ebenso diese Forderung auf das eindringlichste. Auch andere Baumexperten sind der gleichen Meinung. Trotzdem erlebt man immer wider das Entfernen dieses Astkragens, weil dieser Schnitt einfacher ist und ein sich bildendes Wundholz ( früher Kallus genannt ) an den Schnitträndern als Heilung angesehen wird. Unter Heilung wird allgemein verstanden, daß die verletzten Organe bzw. Zellen einer Wunde an der gleichen Stelle regeneriert oder erneuert werden. Das ist aber bei Bäumen nicht möglich. Diese können nur mit neuen Geweben Wunden verschließen. Die Wunden selbst bleiben beim Aufschneiden des Baumes sichtbar. Der Schnitt ist deshalb so schädlich, weil beim Schnitt der Astkragen entfernt wird, wo der Baum die Abwehrmaßnahmen gegen das Eindringen der Schädlinge bereits vorgebildet hat. Am deutlichsten ist dieser Kragen bei Totästen vorgebildet und erkennbar. Der flush cut führt zu einer erheblichen Vergrößerung der Wunde, bis um das Dreifache gegenüber dem Schnitt auf Astring, besonders bei Bäumen mit ausgeprägten Ast- und Stammkragen. Gleichzeitig greift er in das Holz des Stammes ein und führt dort zu stärkeren Verfärbungen. Dieser Schnitt, ebenso wie zurückgelassene Aststümpfe ("Kleiderhaken") gehören zu den größten Verursachern von weiteren Baumproblemen. Auch abgestorbene Flächen unter der Wunde und schlechter Wundholzwuchs gehören zu den Folgen.

 
Kallus- Wundholz

Äste sind am Baum befestigt, indem sich zuerst ein Astkragen bildet, der später vom Stammkragen überwachsen wird. Fäulnisverursachende Mikroorganismen verbreiten sich meist nicht über diese in das Holz des Stammes hinein. Tote Zweige werden an dieser Stelle abgestoßen ( Sollbruchstelle ). Wird der Kragen beim Beschneiden verletzt, können die Schädlinge ungehindert eintreten und ihren Schaden anrichten, da die Zone dieser Kragen antimikrobielle Substanzen enthält.
Bereits im Jahre 1756 schrieb BÜCHTIMG, und später 1878 HARTIG, daß diese Kragen besonders der Astkragen, nicht entfernt werden dürfen. SHIGO vertritt in seinen Veröffentlichungen ebenso diese Forderung auf das eindringlichste. Auch andere Baumexperten sind der gleichen Meinung. Trotzdem erlebt man immer wider das Entfernen dieses Astkragens, weil dieser Schnitt einfacher ist und ein sich bildendes Wundholz ( früher Kallus genannt ) an den Schnitträndern als Heilung angesehen wird. Unter Heilung wird allgemein verstanden, daß die verletzten Organe bzw. Zellen einer Wunde an der gleichen Stelle regeneriert oder erneuert werden. Das ist aber bei Bäumen nicht möglich. Diese können nur mit neuen Geweben Wunden verschließen. Die Wunden selbst bleiben beim Aufschneiden des Baumes sichtbar. Der Schnitt ist deshalb so schädlich, weil beim Schnitt der Astkragen entfernt wird, wo der Baum die Abwehrmaßnahmen gegen das Eindringen der Schädlinge bereits vorgebildet hat. Am deutlichsten ist dieser Kragen bei Totästen vorgebildet und erkennbar. Der flush cut führt zu einer erheblichen Vergrößerung der Wunde, bis um das Dreifache gegenüber dem Schnitt auf Astring, besonders bei Bäumen mit ausgeprägten Ast- und Stammkragen. Gleichzeitig greift er in das Holz des Stammes ein und führt dort zu stärkeren Verfärbungen. Dieser Schnitt, ebenso wie zurückgelassene Aststümpfe ("Kleiderhaken") gehören zu den größten Verursachern von weiteren Baumproblemen. Auch abgestorbene Flächen unter der Wunde und schlechter Wundholzwuchs gehören zu den Folgen.

 
Schnittzeiten

Als beste Baumschnittzeit wird das Ende der Winterruhe empfohlen. Die kritischste Zeit ist die Zeit des Blattaustriebes, besonders bei Ulmen und Eichen. Denn zu dieser Zeit nimmt man ja dem Baum einen Teil seiner Energiespeicher fort, derer er beim Blattaustrieb dringend für den Aufbau neuer Blätter bedarf. Erst wenn diese voll ausgebildet sind und das Sonnenlicht in Energie umwandeln können, darf ohne größeren Schaden geschnitten werden, wenn es eben sein muß.

Aus "Baumschnitt, aber wie?" von S. Weiler & A. Gottreich (http://www.uni-koblenz.de/)